Forderung: Mehr Hebammen in der österreichischen Schwangerenvorsorge
Hebammen begleiten Frauen nicht nur bei der Geburt, sondern sind bereits während der Schwangerschaft eine wichtige Stütze. Trotzdem spielen sie in der Schwangerenvorsorge in Österreich bislang nur eine begrenzte Rolle. Deshalb fordert das Österreichische Hebammengremium eine stärkere Einbindung von Hebammen.
Das Ziel ist es, werdende Mütter früher und umfassender zu unterstützen sowie eine deutlich größere Wahlfreiheit bei der Schwangerschaftsvorsorge zu gewährleisten.
Warum Hebammen schon in der Schwangerschaft wichtig sind
Viele verbinden Hebammen vor allem mit der Geburt oder der Betreuung im Wochenbett. Tatsächlich können sie Frauen bereits während der Schwangerschaft begleiten und mit ihrem Fachwissen unterstützen. Sie beraten unter anderem bei Schwangerschaftsbeschwerden, beantworten medizinische Fragen und helfen dabei, sich auf die Geburt, das Wochenbett und die erste Zeit mit dem Baby vorzubereiten.
Darüber hinaus spielt die Gesundheitsförderung eine wichtige Rolle. Hebammen beobachten den Verlauf der Schwangerschaft, erkennen mögliche Auffälligkeiten frühzeitig und können bei Bedarf weitere Fachkräfte hinzuziehen. Nach Ansicht des Österreichischen Hebammengremiums trägt diese frühzeitige Begleitung dazu bei, Risiken für Mutter und Kind rechtzeitig zu erkennen und Familien von Beginn an bestmöglich zu unterstützen.
Frühe Begleitung kann Risiken schneller sichtbar machen
Eine frühzeitige Hebammenbegleitung kann weit über die medizinische Betreuung hinausgehen. Durch den engen Kontakt zu den werdenden Müttern erkennen Hebammen häufig, wenn Familien zusätzliche Unterstützung benötigen.
Situationen, in denen Schwangere besondere Unterstützung brauchen
- psychische oder psychosoziale Belastungen
- Gewalterfahrungen
- Einsamkeit und Zukunftsängste
- finanzielle Sorgen oder Armut
- Sprachbarrieren
Werden solche Belastungen schnellstmöglich entdeckt, können Schwangere rechtzeitig an passende Beratungs- und Unterstützungsangebote vermittelt werden. Nach Ansicht des Österreichischen Hebammengremiums trägt dies dazu bei, die Gesundheit von Mutter und Kind nachhaltig zu fördern.
„Wir fordern immer wieder eine verbindliche, kostenfreie Hebammenberatung zu Beginn der Schwangerschaft. Diese würde sicherstellen, dass alle Frauen, unabhängig von Einkommen oder Bildung, Zugang zu dieser Unterstützung haben. Gerade Frauen in belastenden Lebenssituationen nehmen solche Angebote oft nicht von sich aus in Anspruch“, erklärt Lisa Rakos, Präsidentin des Österreichischen Hebammengremiums.
Auch internationale Studien sprechen für mehr Hebammenbetreuung
Die Forderung des Österreichischen Hebammengremiums wird auch durch wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt. So zeigt eine aktuelle Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2024, für die 17 randomisierte Studien mit insgesamt 18.533 Frauen ausgewertet wurden, dass eine kontinuierliche Betreuung durch dieselbe Hebamme oder ein festes Hebammenteam mit verschiedenen Vorteilen verbunden sein kann. Die Frauen brachten ihre Kinder häufiger spontan vaginal zur Welt, während Kaiserschnitte und instrumentelle Geburten seltener notwendig waren. Außerdem bewerteten sie ihre Erfahrungen während Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett insgesamt positiver.
Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt Modelle mit kontinuierlicher Hebammenbetreuung in Gesundheitssystemen mit entsprechend ausgebildeten Hebammen. Ziel sei eine qualitativ hochwertige, individuelle Versorgung, die sich stärker an den Bedürfnissen der Frauen orientiert und gleichzeitig vorhandene Ressourcen im Gesundheitswesen sinnvoll nutzt.
Ein Blick in die Nachbarländer zeigt zudem, dass Hebammen dort bereits eine größere Rolle in der Schwangerenvorsorge spielen. Sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz können Hebammen bei unkomplizierten Schwangerschaften einen Teil der Vorsorge übernehmen und arbeiten eng mit Gynäkologinnen und Gynäkologen zusammen. Dadurch profitieren viele Schwangere von einer kontinuierlichen Betreuung durch beide Berufsgruppen.
Hebamme möglichst früh suchen
Wer sich eine Begleitung durch eine Hebamme wünscht, sollte möglichst früh mit der Suche beginnen. Gerade Kassen- und Wahlhebammen sind in vielen Regionen Österreichs bereits Monatevor dem errechneten Geburtstermin ausgebucht. Idealerweise informierst du dich deshalb schon im ersten Trimester über die verschiedenen Betreuungsmöglichkeiten und nimmst frühzeitig Kontakt zu einer Hebamme auf.
Dabei lohnt es sich auch, die Unterschiede zwischen Kassenhebammen und Wahlhebammen zu kennen. Während Kassenhebammen bestimmte Leistungen direkt mit der Krankenkasse abrechnen, stellen Wahlhebammen ihre Leistungen zunächst privat in Rechnung. Ein Teil der Kosten kann jedoch von der Sozialversicherung rückerstattet werden.
Eine solide Orientierung bietet dir die offizielle Hebammensuche des Österreichischen Hebammengremiums. Dort kannst du gezielt nach Wohnort, Betreuungsangebot oder besonderen Qualifikationen suchen und eine passende Hebamme in deiner Nähe finden.
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