Bildschirmzeit bei Kindern: Neue Studie aus Dänemark
In einer aktuellen Pressemeldung warnt die Österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde vor den gesundheitlichen Folgen zunehmender Bildschirmzeit bei Kindern und Jugendlichen. Grundlage ist eine neue dänische Studie, die einen Zusammenhang zwischen Bildschirmmedien und frühen Herz-Kreislauf-Risikofaktoren zeigt. Von jeder zusätzlichen Stunde vor dem Bildschirm gehen mit messbaren Veränderungen bei Blutdruck, Cholesterin und Insulin einher. Die Ergebnisse rücken das Thema Mediennutzung erneut in den Fokus der Kindergesundheit.
Was hat die dänische Studie zur Bildschirmzeit bei Kindern konkret untersucht?
Die Grundlage der aktuellen Warnung ist eine große dänische Beobachtungsstudie, die im Journal of the American Heart Association veröffentlicht wurde. Ausgewertet wurden Daten von über 1.000 Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus zwei langfristig begleiteten Bevölkerungsstudien in Dänemark. Erfasst wurde, wie viel Zeit sie in ihrer Freizeit vor Bildschirmen verbrachten, also vor Smartphone, Tablet, Computer, Fernseher oder Spielkonsole.
Die Forscher untersuchten anschließend verschiedene sogenannte kardiometabolische Risikofaktoren. Dazu zählen unter anderem Blutdruck, Cholesterinwerte, Blutzucker und Hinweise auf eine beginnende Insulinresistenz. Aus diesen Einzelwerten wurde ein Gesamt-Risikoscore berechnet, der angibt, wie stark das Herz-Kreislauf-System bereits belastet ist.
Das zentrale Ergebnis lautet, dass mit jeder zusätzlichen Stunde täglicher Bildschirmzeit dieser Risikoscore messbar anstieg. Besonders deutlich präsentierte sich der Zusammenhang bei Jugendlichen. Drei zusätzliche Stunden pro Tag gingen bereits mit deutlich ungünstigeren Werten einher. Es muss allerdings berücksichtig werden, dass die Studie nur Zusammenhänge zeigt, aber keine direkte Ursache-Wirkung-Beziehung. Sie macht jedoch sichtbar, dass sich Mediennutzung schon früh im Körper niederschlagen kann.
Mehr Bildschirmzeit und die messbaren Effekte auf den Körper
Die Studie stellt klar , dass längere Bildschirmzeiten mit Veränderungen im Stoffwechsel und im Herz-Kreislauf-System einhergehen können. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von kardiometabolischen Risikofaktoren. Gemeint sind körperliche Werte, die langfristig das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen können.
Dazu zählen unter anderem:
- Blutdruck: Erhöhte Werte belasten Herz und Gefäße bereits in jungen Jahren.
- Cholesterin: Ungünstige Blutfettwerte können die Gefäßgesundheit beeinträchtigen.
- Insulinwerte: Veränderungen können ein frühes Zeichen für eine gestörte Zuckerregulation sein.
Mit mehreren zusätzlichen Stunden summierten sich die Effekte deutlich.
Die Rolle des Schlafs und abendliche Bildschirmnutzung
Ein zentraler Befund der Studie betrifft den Schlaf. Die Forscher zeigen, dass Schlafdauer und Einschlafzeit den Zusammenhang zwischen Bildschirmzeit und körperlichen Risiken deutlich beeinflussen. Kinder und Jugendliche, die weniger schlafen oder später ins Bett gehen, wiesen bei gleicher Bildschirmzeit ungünstigere Stoffwechselwerte auf als Gleichaltrige mit ausreichend Schlaf. Bildschirmnutzung wirkt also nicht isoliert, sondern greift in bestehende biologische Rhythmen ein.
Besonders die abendliche Nutzung scheint problematisch zu sein. Helles Bildschirmlicht stört den zirkadianen Rhythmus, also den inneren Takt des Körpers, der Schlaf, Hormonfreisetzung und Stoffwechsel steuert. Die Ausschüttung von Melatonin verzögert sich, Müdigkeit tritt später ein und die Schlafdauer verkürzt sich. Dadurch können sich hormonelle Prozesse verändern, die unter anderem Appetit, Blutzucker und Blutdruck regulieren. Die Studienautorinnen und -autoren gehen davon aus, dass Schlafmangel einen Teil der beobachteten Effekte erklärt und diese zugleich verstärkt.
Tipp: Versuche, Bildschirme spätestens ein bis zwei Stunden vor dem Zubettgehen auszuschalten. Ruhige Übergänge wie Vorlesen, Musik oder ein festes Abendritual helfen dem Körper deines Kindes, rechtzeitig in den Ruhemodus zu wechseln.
Medien gehören zum Alltag und brauchen Begleitung
Digitale Medien sind heute fester Bestandteil der Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen. Sie dienen der Information, der Kommunikation und der sozialen Vernetzung und lassen sich aus dem Alltag kaum wegdenken. Gleichzeitig zeigen Studien, dass Dauer und Zeitpunkt der Nutzung entscheidend sind. Medien bringen Chancen mit sich, können aber auch Risiken bergen, wenn sie Schlaf, Bewegung oder andere wichtige Aktivitäten verdrängen.
Hier kommt die Rolle der Eltern ins Spiel. Elternhaben mehr Einfluss, als ihnen oft bewusst ist. Sie können den Einstieg, die Inhalte und den zeitlichen Rahmen der Mediennutzung aktiv mitgestalten. Darauf weist auch Arnika Thiede von der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde hin. Medienerziehung bedeutet dabei nicht Kontrolle um jeden Preis, sondern Orientierung geben, Vorbild sein und altersgerechte Grenzen setzen. Ziel ist ein bewusster Umgang mit digitalen Medien, der sich an den Bedürfnissen des Kindes orientiert und Gesundheit sowie Entwicklung im Blick behält.
Gleichzeitig zur begleiteten Mediennutzung brauchen Kinder auch Alternativen. Bewegung, freies Spiel, gemeinsames Lesen oder einfach Zeit ohne Reize helfen, einen Ausgleich zu schaffen. Ziel ist kein kompletter Verzicht, sondern ein gutes Maß.
Orientierung durch das MAPA-Modell
Das MAPA-Modell bietet Eltern eine einfache Orientierung für eine bewusste Medienerziehung. Es beschreibt vier Grundhaltungen, die im Alltag gut umsetzbar sind:
- Modell sein: Kinder orientieren sich am Verhalten der Erwachsenen. Wie und wann du selbst zum Smartphone greifst, prägt den Umgang deines Kindes mit Medien stärker als viele Vorgaben und Regeln.
- Aktiv begleiten: Medien nicht nur erlauben oder verbieten, sondern gemeinsam nutzen. Inhalte besprechen, Fragen zulassen und klare Absprachen zu Zeiten treffen.
- Präsent sein: Für dein Kind ansprechbar bleiben. Interesse zeigen, hinschauen und Strukturen schaffen, etwa feste Zeiten ohne Bildschirm oder klare Abendroutinen.
- Aufmerksam bleiben: Veränderungen im Verhalten ernst nehmen. Medien sollen nicht Langeweile, Frust oder Nähe dauerhaft ersetzen.
Eltern müssen diese Aufgabe nicht allein bewältigen. Seriöse Informationen und Beratung bieten unter anderem die Initiative SMART aufwachsen, die Plattform Saferinternet.at sowie kinderaerzte-im-netz.at. Gespräche in der kinderärztlichen Praxis können helfen, Mediennutzung realistisch einzuordnen und individuelle Fragen zu klären.
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